AUSSTRAHLENDE SCHMERZEN

Ausstrahlende Schmerzen sind sehr häufig und können vielerlei Ursachen haben.

Die meisten Menschen denken dabei sofort an die BANDSCHEIBEN

Diese können bei Vorwölbung oder Vorfall ausstrahlende Schmerzen verursachen. Je nachdem, in welchem Wirbelsäulenabschnitt der Vorfall stattgefunden hat, treten an unterschiedlichen Körperregionen Schmerzen oder Sensibilitätsstörungen auf:

Schulter, Arm (HWS), Brustkorb (BWS), Becken, Unterbauch, Beine (LWS)

Andere mögliche Ursachen für ausstrahlende Schmerzen

HWS

Hier sind als Schmerzursache an erster Stelle die Weichteile zu nennen! Die häufigsten Ursachen für HWS Beschwerden (Cervicalsyndrom) sind Verspannungen der Nackenmuskulatur, welche nicht nur durch Fehlhaltung und mangelnden körperlichen Ausgleich entstehen, sondern zu großen Teilen durch physischen und psychischen Stress!

Speziell die tiefliegende, kurze Nackenmuskulatur, die unseren Kopf von hinten stützt und trägt, neigt zu Verkürzung und Verspannung. Dadurch wird der Muskel dicker, benötig also mehr Platz und drückt gegen Nerven und kleine Blutgefäße. Das kann ausstrahlende Schmerzen in Schulter und Arm oder auch den typischen Spannungskopfschmerz (vom Hinterkopf bis vor zur Stirn) auslösen.

Durch Schleudertrauma wie z.B. bei einem Autounfall (der Kopf beschleunigt in kurzer Zeit erst nach vorne, dann nach hinten und wieder nach vorne) können auch die vorne/seitlich am Hals verlaufenden Muskeln zur Schmerzursache werden. In dieser empfindlichen Region gibt es dann sehr schmerzhafte Druckpunkte (Triggerpunkte), die, im Falle der Treppenmuskeln (Musculi Scaleni), in den betroffenen Oberarm und in die Brust zur selben Seite ausstrahlen können.

Menschen mit diesen Symptomen denken zuerst oft an Herzinfarkt und werden, nach dem zur Abklärung wichtigen Besuch beim Internisten, zur Physiotherapie überwiesen.

Zwischen Schlüsselbein (Clavicula), 1.Rippe und den Mm. Scaleni gibt es außerdem eine anatomische Engstelle, die Scalenuslücke. Symptome, die dadurch entstehen, dass Nerven und Gefäße in diesem Bereich komprimiert werden, werden als „ Thoracic Outlet Syndrom“ zusammengefasst: eingeschlafene Hände, Nackenschmerzen, sowie Schulter- und Armschmerzen, Durchblutungsstörungen bei gewissen Bewegungen.

BWS

Blockaden und  Fehlstellungen der Wirbel-und Rippengelenke in der Brustwirbelsäule können ebenfalls ausstrahlende Schmerzen zur Brust (entlang der Rippen) und zum Arm auslösen und werden oft zuerst für Herzbeschwerden gehalten. Natürlich ist es auch hier vorrangig, diese internistisch auszuschließen.

LWS

Neben Bandscheibenveränderungen ist die knöcherne Verengung (Stenose) des Rückenmarkskanals  (Spinalkanal) und der Zwischenwirbellöcher (Foramina intervertebralia) eine häufige Ursache für ausstrahlende Schmerzen.

LUMBALE STENOSE

In der LWS kommt es, speziell bei Menschen über 60 Jahren, oft abnützungsbedingt zu knöchernen Veränderungen am Wirbelkörper. Diese können, oft in Verbindung mit einer angeborenen Verengung oder in Verbindung mit Bandscheibenveränderungen, den Spinalkanal oder die Zwischenwirbellöcher einengen. Dadurch werden Rückenmark oder austretende Spinalnerven gedrückt.

TYPISCHE SYMPTOME

Die Betroffenen klagen über Schmerzen, Kribbeln, Schwäche in einem oder beiden Beinen und können sich im Bereich der LWS verspannt / steif fühlen. Diese Symptome treten besonders bei Streckung der LWS, also einem Verstärken der Hohlwölbung (Lordose), wie es beim längeren Stehen/ Gehen oft der Fall ist, auf. Hinsetzen und Beugen (rund machen) der LWS verbessert die Symptome meist sofort!

Claudicatio Spinalis (Schaufensterkrankheit des Rückens), nennt man das starke Auftreten der typischen Beschwerden in beiden Beinen bei längerer Gehstrecke. Betroffene können unmöglich weitergehen, müssen sich kurz setzen oder vorbeugen, dann geht es wieder eine Weile.

THERAPIE

Information und Alltagsschulung ist von entscheidender Bedeutung! Hohlkreuz verschlimmert die Beschwerden, da es den Spinalkanal und die Foramina noch mehr einengt, rund machen hilft, mechanisch etwas mehr Platz zu schaffen! Außerdem bringen korrekt ausgeführte Traktionstechniken  (die/der TherapeutIn übt Zug auf die Wirbelsäule aus) und bestimmte Übungen Erleichterung.

In manchen Fällen wird vom Arzt lokal (Nervenwurzel) unter bildgebenden Verfahren, ergänzend zur Physiotherapie, ein Medikament eingebracht, in einigen Fällen ist eine Operation nötig.

FASZIEN

Faszien sind vereinfacht gesagt Bindegewebe. Es gibt tiefliegende und oberflächlich liegende Faszien. Sie umhüllen und verbinden Muskeln und Organe, füllen Räume in unserem Körper aus – ein alles verbindendes Netzwerk durch den gesamten Körper – und gelten mittlerweile als eigenständiges Organ. Sie sind reich an Nervenendigungen und sind mit Schmerz-,  Bewegungssensoren und Muskelfasern versehen. Daher können sie sich kontrahieren und aktiv trainiert werden. Sie wirken stützend, stoßdämpfend und sind für die Kraftübertragung zwischen den Muskeln verantwortlich. Sie speichern Fett und Wasser und sind Durchgangsgebiet für Blut und Lymphe. Beim ungestörten Transport von Flüssigkeiten haben sie also ebenfalls eine wichtige Funktion.

Nachdem sich Faszien durch den gesamten Körper ziehen, geht man davon aus, dass  sie auf diese Art auch Schmerzen übertragen können. So kann z.B. eine alte Verletzung am Ellbogen, Jahre später Schmerzen in der Schulter verursachen.

Es ist ein häufiges Problem, dass Röntgen- und MR Befunde unauffällig sind, die/der Betroffene leidet aber unter starken Schmerzen. Eine Erklärung dafür ist, dass die Schmerzursache in den Weichteilen, also Muskeln, Faszien liegt. Dort sollte dann auch die Behandlung ansetzen!