Schmerz

Das Thema Schmerz ist extrem komplex, da es sich um Wechselwirkungen zwischen biologischen,psychischen und sozialen Faktoren handelt (biopsychosoziales Schmerzkonzept). Besonders der chronische Schmerz stellt die Medizin vor große Herausforderungen.

Daher bietet dieser Text auch nur eine skizzenhafte Abhandlung und erhebt keinesfalls den Anspruch auf Vollständigkeit.

PHYSIOLOGISCHER (AKUTER) SCHMERZ

Er ist als Warnsignal für den Körper vor externen Schädigungen sehr wichtig.
Hierbei werden Schmerzrezeptoren (Nocizeptoren) gereizt. Diese freie Nervenenden im menschlichen Gewebe können auf thermische (heiß/kalt), mechanische (starker Druck, Schnitt..) oder chemische Reize reagieren.

Periphere Nervenbahnen leiten die Information dann ans Rückenmark weiter und dort wird entweder über Reflexverschaltungen (zurückziehen der Hand bei heißer Herdplatte) oder aber über die Weiterleitung und bewusste Verarbeitung im Gehirn auf die drohende Gefahr reagiert.

TRAUMA

Wenn eine Verletzung passiert ist, kommt es im Idealfall zu einer normalen physiologischen Entzündungsreaktion und in weiterer Folge zu einer Wundheilung, die abhängig vom verletzen Gewebe unterschiedlich lange dauert.

Die PHYSIOLOGISCHE WUNDHEILUNG läuft in 3 Abschnitten ab:

AKUTE ENTZÜNDUNGSPHASE

Das verletzte Gewebe wird besonders gut durchblutet, damit die entsprechenden Zellen Reparaturprozesse in Gang setzen können. Daher kommt es zu einer Rötung, Erwärmung und Schwellung des Gewebes. Schmerz und Funktionseinschränkungen schützen den Körper vor zu hohen Belastungen. Schonung ist wichtig!

Dauer: 1-5 Tage

PROLIFERATIONSPHASE (UMBAUPHASE)

Die Wunde wird stabilisiert, das Gewebe ist aber noch nicht so belastbar wie vor der Verletzung. (Kollagen Typ III)

Bewegen im schmerzfreien Bereich ist sinnvoll und notwendig um die nötigen Belastungsreize für die Wundheilung zu setzen.
Achtung bei der Einnahme von Schmerzmitteln. Hier ist es möglich, dass die tatsächliche Belastbarkeitsgrenze überschritten wird und es zu einer neuerlichen Gewebeschädigung kommt.

Dauer: vom 5. Bis zum 21.Tag

REMODULATIONSPHASE (AUSHEILUNGSPHASE)

Das Gewebe wird zunehmend belastbarer und muss daher langsam stufenweise mit einer ansteigenden Belastung konfrontiert werden. Es kommt zu einem schrittweisen Umbau von dünnerem Kollagen Typ III zu Kollagen Typ I.

Um den Wundheilungsverlauf optimal therapeutisch begleiten zu können, ist es wichtig, genau über die Lokalisation der verletzten Struktur Bescheid zu wissen. Ein verletztes Muskelgewebe hat einen deutlich anderen Wundheilungsverlauf als z.B. eine Sehne. Abhängig von der jeweiligen Rehabilitationsphase brauchen die verschiedensten Strukturen (Knochen, Muskel, Sehnen, Menisci, …) die richtigen therapeutischen Reize,um bestmöglich heilen zu können. Der physiologische Reiz für den Knochen ist Druck/Entlastung für eine Sehne, jedoch stellt die Zugbelastung den optimalen Reiz dar.

CHRONISCHER SCHMERZ

Im Vergleich zum akuten Schmerz der zeitlich begrenzt ist, ist der chronische Schmerz länger andauernd. In einigen Fällen kann sich der Schmerz zu einer eigenen Schmerzkrankheit entwickeln.

Chronische Schmerzen haben fast nie nur eine einzige auslösende oder unterhaltende Ursache, sie sind multikausal.

Die Warnfunktion des Schmerzes geht verloren. Meist steht hier nicht mehr nur die unmittelbare Schädigung des Gewebes im Vordergrund, sondern psychosoziale Faktoren müssen in der Behandlung mehr mitberücksichtigt werden.

SCHMERZARTEN

Noziceptiver Schmerz: Freie Nevenenden im Gewebe (Schmerzrezeptoren) werden gereizt (s.o.)

Neuropathische Schmerzen: Durch Schädigung der peripheren Nerven, im Rückenmark oder im Gehirn ausgelöst (z.B. nach Querschnittlähmung, Amputationen, Polyneuropathien, etc.)

Neuralgien: Wenn ein peripherer Nerv irgendwo in seinem Verlauf durch Druck (Bandscheibenvorfall), Entzündung (Neuritis), durch Stoffwechselstörungen (Diabetes) etc. einen Schaden erleidet, kann sich der Schmerz in seinem gesamten Versorgungsgebiet ausbreiten. (siehe auch Kapitel geleiteter Schmerz)

Schmerzen infolge Funktioneller Störungen: Nicht Verletzungen sind die Ursache, sondern Fehlfunktionen, z.B. Rückenschmerzen aufgrund von schlechter Haltung.

Oftmals kommt es zu einem Teufelskreislauf: Muskelverspannungen lösen Schmerzen aus, die wiederum zu Muskelverspannungen führen (reflektorische Schmerzen).

Visceraler Schmerz: Innere Organe können ihrerseits schmerzen (dumpf, kolikartig), aber auch Schmerzen auf den Bewegungsapparat übertragen (Head´sche Zonen)

Psychosomatische Schmerzen: Psychische Zustände lösen körperliche Schmerzen aus

Sozialer Schmerz: Bei Trauer, Zurückweisung, Liebeskummer u.ä. werden ähnliche Hirnareale aktiviert wie bei körperlichen Schmerzen

Wie jeder Mensch den Schmerz spürt ist sehr individuell und hängt von verschiedenen Faktoren ab. Über die Art und Weise, wie Patienten ihren persönlichen Schmerz beschreiben, und durch spezifische Tests kann man als Therapeut Informationen über den Gesamtzustand des Patienten sammeln.